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Veröffentlicht am 02.02.2026

Ziegenhahn & Sohn: Büchsenmachermeister in vierter Generation

Jedes fertige Produkt, das die Werkstatt von Büchsenmachermeister Jens Ziegenhahn verlässt, ist ein Einzelstück. Vom Material über die stunden- und tagelange Handarbeit bis hin zur fertigen Passgenauigkeit für den Kunden, ist alles aufeinander abgestimmt. In jeder Jagdwaffe steckt das Wissen und Können von Generationen. Vier Generationen sind es genau, die das Familienunternehmen Ziegenhahn & Sohn geprägt haben und die alle mit ganz unterschiedlichen Herausforderungen zu kämpfen hatten. Landrätin Peggy Greiser und Bürgermeister Torsten Widder haben sich bei einem Unternehmensbesuch nicht nur für die Firmengeschichte, sondern auch ganz aktuelle Fragestellungen der Büchsenmacher interessiert.

Alfred Ziegenhahn gründete seine Büchsenmacherei 1923 in Suhl. Später wurde diese von Sohn Fritz und dann wiederum von dessen Sohn Rolf fortgeführt. Heute ist Jens Ziegenhahn der Inhaber von Ziegenhahn & Sohn. „Wir haben viele Täler durchschritten“, sagt der Büchsenmachermeister mit Blick auf die beispielsweise wirtschaftlichen Herausforderungen der Wendezeit und gleichzeitig sagt er auch ganz offen: „Dass die wirtschaftlich guten Zeiten der gesamten Branche oftmals in Zusammenhang mit kriegerischen Auseinandersetzungen standen, sollte man nicht verschweigen“.

Er selbst hat in den 1980er Jahren bei Büchsenmacher Günter Retz in Goldlauter gelernt und absolvierte weiterhin eine Ausbildung als Schäfter. In der DDR waren die großen Firmen im VEB „Ernst Thälmann“ verstaatlicht. Kleine Büchsenmacherbetriebe und Alleinmeister hatten schon 1949 die Einkaufs- und Liefergenossenschaft BÜHAG gegründet, sodass einige Betriebe in Selbstständigkeit blieben. Zu den Gründern der BÜHAG gehörte auch die Firma Ziegenhahn, die somit seit ihrer Gründung 1923 ein privater Handwerksbetrieb ist. Waren seinerzeit Spezialisierungen auf die Einzelteile eines Jagd- oder Sportgewehrs gang und gäbe, so werden heutzutage wiederum alle Herstellungsschritte im Büchsenmacherhandwerk vereinigt. Das wiederum hat zur Folge, dass die Absolventen der Berufsfachschule für Büchsenmacher und Graveure alle Arbeitsbereiche mal angerissen haben, aber bei weitem nicht über die Spezialisierung verfügen, die erst jahrelanges Arbeiten und Praxis im Beruf mit sich bringen. „Wir haben keinen zweiten Versuch und Kunden haben Erwartungen an die Qualität“, weiß Jens Ziegenhahn um die individuelle Anforderung an die Fertigung jedes einzelnen Jagdgewehrs.

Bürgermeister Torsten Widder zeigte sich beeindruckt von der individuellen Verarbeitung, den feinen Gravuren und der Detailtreue, die bis ins kleinste Teil gegeben ist. „Traditionsreiche Familienunternehmen wie die Büchsenmacherei Ziegenhahn & Sohn haben einen Namen in der Region und in der Welt. Sie sind ein wichtiger Baustein in unserer Wirtschaft und stehen mit ihrer Arbeit dafür, Tradition zu bewahren und moderne Wege zu gehen.“

Die Versuche, in dieser Hinsicht nach der politischen Wende neue Wege unter den Büchsenmachern einzuschlagen, waren nicht erfolgreich und verliefen im Sande, erinnert sich Jens Ziegenhahn an die Herausforderungen dieser Zeit. Erst als die großen Firmen soweit modernisiert wurden, fanden die Büchsenmacherbetriebe mit ihrem ganz individuellen Handwerk ihren Weg. „Der war ein Stück weit vorgezeichnet. Wir hatten Maschinen gekauft und uns hier angesiedelt“, erinnert sich Jens Ziegenhahn an die 1990er Jahre, als seine Firma den Standort in Zella-Mehlis wählte. Ziegenhahn & Sohn hatte seinerzeit das Glück, in der Firma Krieghoff aus den USA einen verlässlichen und stabilen Partner zu finden. So werden Jagdgewehre aus Zella-Mehlis unter dem Label „Hersteller Ziegenhahn, Modell Krieghoff“ sowie mit dem Suhler Beschusszeichen weltweit verkauft. Die Kunden sind treu, die Nachfrage stabil. Die Hälfte der Aufträge sind Neuanfertigungen, die andere Hälfte sind Reparaturen.

„Unsere Produkte sind nach wie vor etwas wert in der Welt“, sagt Landrätin Peggy Greiser mit Blick auf die Handarbeit. Zudem sei Thüringen gut aufgestellt, wenn es darum gehe, eine Balance zu finden zwischen den wirtschaftlichen Interessen und der Freizeitnutzung des Waldes.

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