Vortrag in der Bibliothek: "Der Henker des Herzogs"
Zu einem Vortrag lädt das Team der Stadt- und Kreisbibliothek am kommenden Freitag, 27. Februar, um 18 Uhr ein. Dr. Kai Lehmann, Historiker und Leiter des Museums Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden, wird aus seinem Buch "Der Henker des Herzogs“ lesen. Der Eintritt kostet 8 Euro. Karten sind im Vorverkauf in der Stadt- und Kreisbibliothek Zella-Mehlis und der Bücherstube Hummel erhältlich.
Wenn ein Mensch sein Leben in Zahlen festhält, dann macht er sich gläsern. Wenn dieser Mensch, der seine Einnahmen und Ausgaben akribisch dokumentiert, aus einer Zeit stammt, die rund 350 Jahre zurückliegt, dann wird er nicht nur für die historische Forschung höchst interessant. Und wenn dieser Mensch auch noch von Beruf Scharfrichter war, wird diese Geschichte noch spannender.
Das, was der Scharfrichter Johann Jeremias Glaser (1653-1725) hinterlassen hat, ist einmalig im deutschen Sprachraum. Dieser Mann hat in seinem Register- oder Aufzeichenbüchlein auf 350 Seiten sein Erwachsen- und Familienleben mittels Einnahmen und Ausgaben dokumentiert; gespickt ist das Ganze zusätzlich mit autobiographischen Angaben und Tagebucheinträgen. Dank dieses kulturhistorischen Schatzes ist es erstmals möglich, das Leben eines Menschen aus der Frühen Neuzeit, der nicht der Upper Class angehörte in all seinen Facetten und bis ins kleinste Detail zu beschreiben. Dass Glaser 45 Jahre das Amt des Henkers im gerade entstandenen Herzogtum Sachsen-Meiningen innehatte, lässt zugleich viele scharfrichterliche Stereotype verblassen.