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Veröffentlicht am 05.10.2026

Tag der deutschen Einheit: Erinnern und Mahnen

Auch in diesem Jahr hat die Freie Wähler Gemeinschaft in Zella-Mehlis wieder zum Tag der Deutschen Einheit mit einem Gedenken an die Friedliche Revolution und die Wiedervereinigung erinnert. Zum 36. Jahrestag begrüßte Fraktionsvorsitzender Thomas Reuß alle, die an den Gedenkstein vor dem Rathaus gekommen waren, darunter Vertreter verschiedenster Stadtratsfraktionen sowie Bürgerinnen und Bürger. Torsten Widder sprach den Freien Wählern seinen Dank für die jährliche Organisation aus und rief zum sozialen Zusammenhalt in der Stadtgesellschaft auf.

Als Redner erinnerte Jürgen Richter an die bewegten Wochen vor dem 9. November 1989, die die Grundlage für alle weiteren historischen Ereignisse waren. Dabei hob er den 30. September 1989 hervor, als Hans-Dietrich Genscher in der Prager Botschaft die Ausreise der dort wartenden DDR-Bürger verkündete. "Ich schäme mich nicht dafür, dass ich vorm Fernseher saß mit Tränen in den Augen", sagte Jürgen Richter. Er würdigte jene, die in den Novembertagen Mut und Courage aufbrachten. Er sei stolz darauf, was die Menschen in den Jahren nach der Wende geschafft haben.

36 Jahre nach der Wiedervereinigung spart Jürgen Richter nicht mit Kritik: "Was man heute glaubt wichtig zu sein, halte ich persönlich vielmals für völlig nebensächlich und überzogen. Und wenn man nicht mitmacht, bei all dem Irrsinn, werden Menschen ob ihrer Meinung verurteilt, beschimpft, in Schubladen gesteckt, in die sie nicht gehören. Mein Heimatland hat es verlernt, „normal“ denkenden Menschen zuzuhören". Eine politische Streitkultur sei kaum mehr erkennbar, die meisten nur noch mit der eigenen Ideologie beschäftigt. "Andere Meinungen werden niedergebrüllt, es wird vorverurteilt, nicht richtig zugehört und diejenigen, die anderer Meinung sind, beschimpft, ausgegrenzt und regelrecht bekämpft."

Es sei wichtiger denn je, die nachfolgenden Generationen über die historischen Ereignisse aufzuklären. "Laut und deutlich klar zu machen, dass es eben nicht selbstverständlich ist, von Freiheit zu sprechen." Die Wiedervereinigung sei ein guter Grund stolz zu sein, "denn wir haben der Welt gezeigt, dass man Konflikte ohne Waffengewalt lösen kann".

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